29 October 2007 - Same old - uhm - thing.

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  • 29 October 2007 - Same old - uhm - thing.

    Schon über eine Woche ist es wieder her. Zuerst bereitet man sich wochenlang darauf vor, verpasst schließlich die Hälfte, weil die Parties des Nächtens doch immer zu lange dauern und die Geschäfte bannen sich ohnehin immer erst viel später an. Aber sie lohnt sich immer wieder auf's neue: die Venus.

    Die diesjährige Porno-Jahreshauptversammlung - wie es der Stern so schön formuliert hat war meine 7. in Folge. Begonnen hatte ich bei Videorama, einige Jahre strippte ich mir für Magma die Seele vom Leib, danach folgten Repräsentationen US-amerikanischer Labels und schließlich hatte ich es auf den populärsten Messestand geschafft: BeateUhseTV. Auch wenn es nicht der größte Stand war (ich nehme an, Orion hatte wieder die Nase vorn), so gab es bei uns wohl das bunteste Treiben und die heißesten Stripperinnen. Nicht zu vergessen Biggi Bardot und Conny Dachs, die uns mit ihren musikalischen Darbietungen Tag für Tag amüsierten.

    Aber beginnen wir bei Tag 1.
    Gegen 21 Uhr traf ich in Berlin ein und gönnte mir statt einem Taxi ein fettes S-Bahn Feeling in das Kongress-Hotel Estrel. Als ich im Foyer eintraf, checkte ich schnell ein und überlegte, wie ich mitsamt dem ganzen Gepäck an der Bar vorbeikommen sollte, ohne erkannt zu werden. Zu spät: Louis Moiré und auch mein Boss hatten mich sofort entdeckt, dazu noch eine Truppe, die alle sofort eine Umarmung wollten. Ach neee, lasst mich doch bitte erstmal frisch machen...
    Eine Dusche später ging ich dann schließlich unter Menschen. Währende sich alle Pornlinge beim Come Together gratis Alk hinter die Binde kippten, saß ich noch gemütlich an der Bar und genoß die Estrel Special Edition. Schließlich warf ich mich dann doch ins Getümmel und traf unzählige Menschen, die man wirklich nur an diesem einen Wochenende trifft. Schließlich versteckte ich mich am XtraX Tisch und flösste mir bis zur Geisterstunde selbst soviel rein, wie ging. Gratis eben. Damit war ich auch schon streichfähig, verzog mich aufs Zimmer und schlief friedlich und voller Vorfreude ein.

    Weil ich nun mal gerne schlafe, fuhr das Shuttle ohne mich zur Messe. Also freute ich mich auf eine erneute S-Bahn Session. Zu praktisch, wenn das Ding überall hinfährt. Der Donnerstag auf der Messe war nahezu gemütlich. Ich hatte genug Gelegenheit, mit Kollegen zu tratschen und u.a. die zauberhafte Annina aka das Promiluder kennenzulernen. Natürlich heimste ich auch fleissig Kontaktdaten potentieller DarstellerInnen ein. Da es der einzige Tag war, an welchem man in Ruhe durch die Hallen schlendern konnte, riskierte ich einen Blick. Und ich war enttäuscht. Es hatte sich bewahrheitet. Keines der großen deutschen Labels hatte einen Stand, dafür stritten sich die Großhändler um die Quadratmeterzahl, umzäunt von zig kleinen Labels, von denen nie jemand etwas gehört hatte (und hoffentlich auch nicht mehr wird). Auch Magma versteifte sich auf die Promotion ihres Bluy Ray Monopols und versteckte die Label-Logos in 3 Meter Höhe. Zumindest war ich bei BeateUhseTV vertreten und das war gut so.

    Gegen Abend verabschiedete ich mich etwas früher, um mich für die Gala rauszuputzen. Eine Nominierung stand auf dem Plan, und ehrlich gesagt, ich hoffte ich würde den Award nicht bekommen. "Beste Deutsche Darstellerin" - wtf? Also Mißtrauen voraus, lass uns das selbstgeschneiderte Kleidchen ausführen. Wie jedes Jahr stand ich schließlich vor dem Spiegel und fluchte, weil keine Frisur sitzen wollte. Hektik machte sich breit und meine Laune war beinahe wieder im Keller.

    Im Foyer angekommen überkam mich plötzlich eine ganz andere Laune. Ich war quirlig und aufgeregt, harrend der Dinge, die da jetzt kommen mögen. Mit Louisa Lamour, Christine Jolie und den Chefitäten wanderte ich über den imaginären roten Teppich (wo zur Hölle sind die Paparazzi?) und stand schließlich vor dem Saal. Wat denn dat? Der Saal war geschmückt wie er sein sollte, aber die Stimmung? Irgendwas stimmte hier nicht - ich dachte wir lassen uns hier feiern? Nach und nach trudelte die Prominenz ein, während ich an meinem Tischchen saß und beobachtete, wie die bereits Anwesenden vom Buffet genascht hatten. Die Tische waren noch gar nicht wirklich besetzt, da ging bereits die Show auf der Bühne los. Wenn man es Show nennen konnte. Die Band vom letzten Jahr geigte auf, ein Moderator, der letztes Jahr auf Comiker machte, stolperte über seine eigenen Worte und schon ging die Preisverleihung los. Ich warf noch schnell einen Blick auf die Nominierungsliste und dachte nur: "Herr Ober, lassen's die Flasche Wein doch gleich da, bittschen." Unzählige Kategorien offenbarten sich mir, wobei ich bei manchen davon nicht sicher war, ob ich tatsächlich richtig gelesen hatte. Jeder und alles war nominiert und wer nicht nominiert war, bekam wohl ein Auszeichnung in den Kategorien, welche auf der Liste ein leeres Feld zum (voten?) bekritzeln hatten. Aber was ist das denn? Oh Freude - Viennese ist abgöttische zweimal nominiert. Hurra!!!! Warum hat mir das bloß niemand erzählt? Und plötzlich war ich mir sicher. Einer sollte der meinige sein. Anders konnte es nicht sein. Viennese ist nun mal der beste europäische Film 2007, und auch wenn es kein Frauenporno (ach Leute) ist, würde er auch diese Auszeichnung verdienen.

    Annina saß neben mir und zitterte selbst. Denn auch sie war nominiert als Beste Newcomerin Deutschland. Und auch sie fand es etwas merkwürdig und wollte alles andere als auf die Bühne, um das Teil entgegen zu nehmen.
    Nach einigen Unterbrechungen war endlich meine Kategorie am Start. Ich schwitzte, hoffte, wollte das Teil jetzt haben. "And the award goes to..." ------- The Sexual Adventures Of Little Red. Snief. Ich versuchte, meine Enttäuschung zu verbergen aber konnte es kaum. Jetzt war mir alles egal. Ich wollte keinen Frauenporno und keinen Darsteller Award. Und welch Glück. Ich bekam sie auch nicht. Auch Annina stieg leer aus. Verflixt und zugenäht. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ein dämliches Show-Programm (sorry, sind wir im Kindergarten?), zu aufgeregt um vom angeblich noch schlechteren Buffet zu klauen und dann auch noch eine Abfertigung auf der Bühne, bei der schließlich jeder auf seine Kosten kam. Nur Harry S. Morgan nicht, dem sein Statue schon auf der Bühne auseinanderfiel und dem die Zeremonie genausowenig gefiel, dass er das Teil umgehend wieder retournierte. Recht haste, Harry! Thumbs up!
    Abgesehen davon, dass ich leer ausging, war es die schlechteste Award-Verleihung, die ich je erlebt hatte. Aber - dabei sein ist alles, also sehe ich mich auch nächstes Jahr Kopf schütteln.

    Tags drauf nahm ich dann doch den Shuttle zur Messe. Wider Erwarten war bereits die Hölle los und ich versteckte mich schnell auf der Damen-Toilette, da ich mein ungeschminktes Gesicht nicht länger unter der Brille verstecken konnte. An diesem, wie auch an den folgenden Tagen verzichtete ich auf eine Live-Show. Schließlich bin ich nun Regisseurin und soll entsprechend auftreten. Obwohl es mich bei so manchen Prodigy Song schon etwas juckte und ich mich verfluchte, dass ich ein paar Kilos zuviel drauf hatte, die ich auf der Bühne auf keinen Fall zur Schau stellen wollte. No no no. Vielleicht nächstes Jahr wieder. Mein züchtiges Auftreten hatte den Vorteil, dass sich kaum einer der Autogrammjäger zu mir verirrte und nur wahre Fans an meine Seite traten, denen ich mich dann entsprechend ausgiebig widmen konnte. Auch fand ich genügend Zeit für Interviews mit Sat1, HBO und Konsorten sowie gemütlichen Business Talk. So sollte es auch sein.

    Gen Abend ging es wieder ans Rausputzen. Insomnia stand am Programm. Mein Boss entschied sich für das Turbonegro Outfit, also verpasste ich ihm eine ordentliche Portion Rouge. Ich selbst warf mir ein Lack-Kleid über, die Haare streng nach hinten und schon war ich bereit.
    Im Insomnia angekommen, steppte bereits der Bär. Nackte, schwitzende Körper offenbarten sich mir und ich genoß die Atmosphäre. Kaum einer der Pornlinge war anzutreffen, aber die eigene Runde sollte durchaus reichen. So feierten wir bis in die frühen Morgenstunden, tanzten ab und ich genoß das Treiben zwischen den Geschlechtern. Als Beobachter versteht sich. Weil wir sind ja anständig geworden, net wa? Nach Hause ging es erneut mit der S-Bahn. Sehr spaßig, wenn man in seiner verschwitzten Fetisch-Kluft zwischen Leuten sitzt, die die Äuglein noch nicht mal richtig aufbekommen.

    Tags drauf, am Samstag, war mir bereits etwas übel. Ich verzichtete auf die vielen Prosecco Angebote und versuchte, vernünftige Gespräche zu führen. Der Trubel am Stand setzte mir etwas zu und ich war froh, dass mich marcel zwischendurch an die frische Luft entführte, um ein paar Shots von mir zu machen. Das war doch an diesem Tag, oder?
    Am Abend stand das Adagio am Plan. Ich hatte kein passendes Kleid dabei und es war mir auch schnurz, da ich bereits das Schlimmste ahnte. Gemeinsam mit der Magma Sippe setzte ich mich ins Shuttle und überlegte bereits, wann das erste Shuttle zurück geht. VIP-Party - kennen wir schon.
    Dieses Jahr schaffte es der Bus nicht einmal, vor dem Entrée des Adagio zu halten. So durften wir noch einige Meter laufen. Was für ein Auftritt. Wieder war der rote Teppich leer, niemand scherte sich um die Ankunft der Pornomenschen. Angekommen, traf ich auf Sarah Rose, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie nun die schweren Schuhe oder doch die Stiefel anziehen sollte. Ich war froh, dass sie sich für die simplen Treter entschied, so konnte ich einmal fast auf Augenhöhe mit ihr kommunizieren.
    Als wir in den Gewölben ankamen, standen wir noch vor verschlossenen Türen. Als sich diese öffneten, marschierte ich schnurstracks zur VIP-Lounge, drückte mich in einen der barocken Fauteuils und wartete, bis alles vorbei war. Zwischendurch warf ich noch einen Blick hinunter auf das Treiben (wieder keine Pornlinge, nur ein Volk, welches auf deren Sichtung hofft) und stöhnte auf bei dem Anblick. Das kannte ich doch alles schon. Ich weckte meinen Boss, der im anderen Fauteuil eingenickt war und meinte, es wäre Zeit für die Heimreise. Merke: nächstes Jahr Hotelzimmer Party - if at all.

    Sonntag. Herrje, die letzten Stunden. Was muß ich alles tun, mit wem habe ich mich noch nicht unterhalten, wo muß ich noch hin? Die Zeit verstrich unheimlich schnell und als es schließlich kurz vor Schluß war und BeateUhseTV der einzige Stand war, wo sich alles an Darstellerinnen mit Rang und Namen tummelte, wurde es mir fast ein wenig wehmütig ums Herz. Alles wieder einpacken, Bussi hier, Bussi da und raus aus den heiligen Hallen. Tschüüüühüß.
    Am Abend saßen wir noch zusammen für ein letztes Abendmahl. Und plötzlich tat sich eine der unvorstellbarsten Angebote auf, die mir widerfahren konnte. Ein Produzent von weit weit her wollte unbedingt, dass ich für ihn XY drehen sollte. Das konnte nur ein Scherz sein!? Ich atmete tief durch und teilte ihnen mit, sie sollen mich später nochmals kontaktieren, denn im Suff spricht sich ja doch zu leicht. Die Unterhaltung war allerdings dermaßen amüsant, dass ich schlußendlich doch wieder erst um 3 Uhr morgens mein Bettchen wiedersah. Mysteriöse Umstände wollten, dass das Traummännlein mich erst viel später küsste.

    Montag. 10.00 Uhr. Abflug Richtung Wien. Ich frage mich jetzt noch, wie ich es rechtzeitig zum Flughafen geschafft hatte. Dass ich den Rest der Woche nahezu ausschließlich in meinem Superbett verbracht habe, ist selbstredend.