Beate Uhse strauchelt!

    • Denke schon.

      Allein in der Innenstadt bei uns hier gibt es 4 Läden mit Produkten für gewisse Stunden (1 Laden nur für Filme, 1 Laden mit Fetisch-Lack, Leder, 2 normale "Sexshops", von denen der eine aber mehr in Richtung Paare geht Swingerclubklamotten, etc) , von denen nur einer zu einer Handelskette gehört. Und dieser eine liegt direkt neben einer katholischen Mädchenschule und neuerdings neben einem arabischen Lebensmittelgeschäft.

      Abgesehen davon: Waren zu den goldenen Zeiten die Innenstädte voll mit Leuten, die mit Stolz die offen VHS- und DVD der großen Label nach Hause getragen haben?

      Verlogener und reaktionärer wird sie wenn, dann durch die Amateurwelle. Es gibt keine markanten Gesichter mehr, die noch einen gewissen Anspruch in sich tragen und auch tauglich für das Feuilleton sind.
      Ein Harry S. Morgan wußte noch, was ein "Star" ist und was eine gute Regie und Kameraführung bedeutet. Vor allem konnte er mehr als drei gerade Sätze sprechen.

      Porno wird dadurch zwar ständig verfügbar, entspricht aber immer mehr den Stereotypen, mit denen seine Gegner ihren Kampf begründen. Es verwundert mich z.B. immer mehr, mit welch kruden Titeln und welch abgefuckter Attitude die Größen der Amateurszene um Klicks kämpfen.

      Auch sollte man bedenken, dass durch die "Heimwerker"-Pornos die Szene zersplittert. Ansprechpartner die auch mit Sinn und Verstand gegenüber der Politik als Interessensvertreter auftreten können, dürften mit dem breitgefächerten Blumenstrauß an eigenständig werkelnden "Amateuren" doch eher spärlich gesäht sein.
    • @Etzel
      @schreibstift:

      Ich denke, ihr habt beide nicht unrecht. Einerseits gestaltet sich unsere Gesellschaft tatsächlich um ein Vielfaches verklemmter, kleingeistiger und verlogener als z.B. in den 70er-Jahren, vor allem viele Jugendliche vertreten oftmals eschreckend spießbürgerliche Ansichten (wohl eine Folge des neoliberalen Kapitalismus), andererseits tragen viele niveauschwache Amateurproduktionen und deren Macher nicht gerade zu einer besonders positiven Wahrnehmung der Szene bei. In diesem Zusammenhang darf man jedoch die Verdienstmöglichkeiten in Deutschland nicht außer Acht lassen. In den USA können Darstellerinnen u. Darsteller, insbesondere in Kombination mit einem Regie-/Produktionsvertrag, nach wie vor sehr gutes Geld verdienen.

      Daher tummeln sich in der Branche auch ungemein viele Personen mit College- oder Universitätsabschluss, die nicht selten auch aus attraktiven bürgerlichen Betätigungsfeldern zum Porno gestoßen sind. Dementsprechend wissen sie sich eloquent und intelligent zu präsentieren und auch ihre Arbeiten zeichnen sich oftmals durch hohe Kreativität, teilweise sogar künstlerischen Anspruch aus. In Deutschland kann die Pornographie jedoch meist nur noch als Nebenerwerb angesehen werden und wird daher eher - ohne respektlos klingen zu wollen - von Mitgliedern aus niedereren Schichten produziert, da diese freier von sozialen Zwängen und Konventionen leben können.
    • Villon schrieb:

      Ich denke, ihr habt beide nicht unrecht. Einerseits gestaltet sich unsere Gesellschaft tatsächlich um ein Vielfaches verklemmter, kleingeistiger und verlogener als z.B. in den 70er-Jahren, vor allem viele Jugendliche vertreten oftmals eschreckend spießbürgerliche Ansichten (wohl eine Folge des neoliberalen Kapitalismus),
      Man muss aufpassen, dass man hier nicht zu viel verklärt. Die 70er waren nicht so wild wie immer getan wird. Das Modell, nach Abschluss der Berufsausbildung jung zu heiraten war abseits der (angehenden) Akademiker und auf dem Land durchaus weiterhin gängig. Bei den Mädels war das auch meist der erste Freund. Mit Blick auf die Landkarte muss man auch bedenken, dass die "ach so wilden" Studentenzeiten sich auf jeweils bestimmte Hochschulstädte beschränkte.Dies waren zunächst Frankfurt, Heidelberg, Berlin,

      Auch wenn die jungen Leute heutzutage "spießbürgerlicher" Leben, sexuell gesehen sind sie es sicherlich nicht mehr und viele Konventionen von damals gelten heute auch nicht mehr..

      Was aber auf jeden Fall stimmt: In den 70ern ging man mehr aus sich raus und es gab mehr Freiheiten die das ermöglichten. Aber immer vor dem Hintergrund, dass eine frühe Familiengründung und zumindest in der unteren Mittelschicht das alte Rollenklischee der Frau weiterhin bestand hatte.
      Die damals männliche Jugend in meinem Heimatdorf kann wüste Anekdoten berichten. Wenn man aber genau hinhört, waren das zwei oder drei, höchstens vier Sommer. Wenn die Zeit "beim Bund" durch war, gab es (weil man wieder Geld hatte) nochmal ein wildes Jahr, dann aber mit so (bei den Jungs) aller spätestens 24 hatte man Familie.