Interview für Facebook

    • Interview für Facebook

      Hallo Leute,

      lange hab ich nix mehr von mir hören ...äh... lesen lassen. Aber, ich bin ständig am Basteln. Und zwar an der offiziellen Facebook-Fanseite von Madame. facebook.com/MissPornero.

      Nach Absprache mit Renee hab ich mich entschlossen, das Interview, das ich für Facebook mit Renee führen durfte, welch große Ehre, auch hier zu veröffentlichen. Damit ihre wohl treuste Fangemeinde auch in den Genuss kommt.
      ZB steht für Zwerg Bumsti, mein Facebook-Pseudonym (Anm. der Redaktion) ;)


      ZB: Renee, wir kennen uns zwar nicht persönlich, aber ganz fremd sind wir uns ja auch nicht. Darf ich dir im Rahmen der offiziellen Facebook-Fanseite ein paar Fragen stellen?
      RP: DU darfst das!

      ZB: Wie geht es dir heute, fünf Jahre nachdem du die Highheels an den Nagel gehängt hast?
      RP: Blendend. Ich liebe mein neues Leben und möchte es gegen nichts tauschen.

      ZB: Wie ist es dir dabei ergangen, im "normalen" Leben wieder Fuß zu fassen? Sicher nicht einfach, oder?
      RP: Doch, durchaus. Ich habe ja nicht einfach einen Hebel umgelegt, sondern etwas vorausgeplant. Nur der Umzug von der Großstadt Wien zurück ins ländliche Steirische war ein bißchen à la "Wo bin ich hier?" Ich habe mich aber schnell eingewöhnt und plötzlich war alles wie immer.

      ZB: Du hast ja bereits in der Schulzeit begonnen dich vor der Webcam zu räkeln und vor Hobbyfotografen zu posieren. War es “nur” reine Neugierde?
      RP: Damals war es nur eine kleine Finanzspritze, die ich brauchte, da ich ja bereits eine eigene Wohnung und somit Kosten hatte, die zu decken waren. Es war ein Nebenjob von vielen, aber bestimmt der Aufregendste. Ich mußte mich anfangs etwas überwinden, aber bald kam ich auf die Idee, dass da mehr in der Richtung machbar wäre. Schließlich fühlte ich mich wohl dabei und es war ein einfacher Job.

      ZB: Der nächste Schritt führte dich dann zu einem Casting bei Videorama, auf Vorschlag deines damaligen Partners, wenn ich mich nicht irre. Warst du von Anfang an entschlossen, oder hattest du doch deine Zweifel an dem Vorhaben?
      RP: Klar hatte ich Zweifel. Ich habe lange überlegt, ob das wirklich der richtige Schritt ist. Die Bewerbung abzuschicken war das kleinere Übel, da ich nicht mit einer Antwort rechnete. Das hinter der Zusage dann doch mehr steckte und ich damit einen Stein ins Rollen gebracht habe, hätte ich niemals erwartet.

      ZB: Du hast mal gesagt, “man muss sich selbst immer treu bleiben”, oder so ähnlich. Ist dir das immer gelungen, oder gab es Phasen in deinem Leben, wo du mit dir selbst gehadert hast.
      RP: Selbstzweifel? Durchaus. Manche Jobs waren nicht ganz nach meinem Geschmack, aber ich misse keine Erfahrung. Hätte ich meinem Agenten gesagt: “Hör mal, ich will nur in schicken Filmchen mitspielen”, hätte er mich für dumm verkauft. Als Jude zählte bei ihm das Geld. Und ich war ja auch zum Geld verdienen gekommen. Als Darstellerin kann man sich nicht sonderlich einschränken, wenn man davon leben möchte. Am Ende warst Du Pornodarstellerin, ganz gleich, ob Du derbes Zeug gedreht hast oder nur Glamour Produktionen hinter Dir hast.

      ZB: Gleich vorweg, viele hier, wie auch ich, schätzen dein natürliches Aussehen und, dass dies auch so geblieben ist. Aber, du erfüllst ja, rein äußerlich betrachtet, nicht gerade die typischen Klischees einer Pornodarstellerin. War für dich immer klar, “ich will so bleiben, wie ich bin”, egal was andere sagen, komme was wolle, oder hast du doch ab und an darüber nachgedacht, dich unters Messer zu legen? Und warum glaubst du, lassen viele
      Darstellerinnen aus deinem früheren Metier, an sich herum schnippeln? Wo man doch tragische Schicksale, wie beispielsweise jenes von Sexy Cora kennt.
      RP: Für mich war es nie ein Thema, meinen Körper für die Karriere zu "optimieren". Es reichen falsche Wimpern, falsche Nägel, ein gepflegtes Äußeres und ein guter Visagist, der Rest sollte gegeben sein. Sich nur für einen Job unters Messer zu legen zeugt für mich an mangelndem Selbstbewusstsein. Ich habe immer Verständnis dafür gehabt, sofern es für jemanden ganz persönlich wichtig war, um sich endlich wohl zu fühlen in seinem Körper. Für Mädels in der Branche ist es nur die Hoffnung auf mehr Jobs. Und was kommt danach? Es ist ein allgemeines Problem, dass Darstellerinnen nur für den Moment leben.


      ZB: Warum hast du es deiner Meinung nach zu so großer Beliebtheit und Bekanntheit gebracht? Dein Auftritt bei Howard Stern hat dir zwar, eigenen Angaben zufolge, zu einer Extra Portion Ruhm verholfen, allein ausschlaggebend wird dies jedoch auch nicht gewesen sein.
      RP: Zu der Zeit waren viele neue Gesichter gefragt und man wollte unter anderem mit mir auch einen neuen Weg einschlagen. Kyra Shade begann zeitgleich mit mir. Sie punktete durch ihre vielen Tattoos und ihre Vorliebe für das Swingen. Ich war vielleicht einfach exotisch als Österreicherin. Man muss aber auch dazu sagen, dass Magmafilm mich sehr unterstützt hat, obwohl ich nie exklusiv bei ihnen unter Vertrag war. Sie verschafften mir jede Menge Publicity. In den USA hatte ich dann einerseits einen guten Agenten, andererseits war ich offen für "fast" alles und versuchte auch so professionell wie möglich zu arbeiten.

      ZB: Du bist ja während deiner Tätigkeit als Darstellerin viel in der Weltgeschichte herumgebummelt. Deutschland, Tschechien, Spanien und natürlich auch in die Staaten. Ich hab jetzt sicher ein Land vergessen. Trotzdem hat es dich immer wieder nach Österreich zurückgezogen und schließlich bist du ja auch in deiner Heimat sesshaft geworden. Hast du jemals darüber nachgedacht, Österreich zu verlassen und woanders glücklich zu werden?
      RP: Das habe ich tatsächlich. Ich wollte mit meiner Darsteller-Kollegin und Freundin, die ja aus Deutschland kommt und mit der ich meine halbe Freizeit in L.A. verbrachte, ein Kaffeehaus in Kalifornien eröffnen. Wir hatten sogar schon konkretere Pläne. Das Ganze ist dann allerdings im Sand verlaufen und heute bin ich sehr froh darüber. Sie lebt noch immer in L.A. und ist dort auch glücklich. Ich bin glücklich, dass ich dem Ruf der Heimat gefolgt bin.

      ZB: In der Branche, nehme ich mal an, wird die Konkurrenz ziemlich groß gewesen sein und auch eine Art "Konkurrenzkampf" stattgefunden haben. Wie wir gehört haben, konntest du ja auf Unterstützung zählen, wie beispielsweise von Magmafilm oder auch deinen Agenten. Konntest du dich auch auf Unterstützung in deinem private Umfeld verlassen, oder haben sich Begleiter auf deinem Lebensweg, abgewandt?
      RP: Ohne Agent hat man es schwer im Geschäft. Das ist bei regulären Schauspielern nicht anders. Produzenten rufen bei Castings zuerst bei Agenturen an, sofern sie nicht unbedingt Dich haben wollen. Privat habe ich meinen Job nie an die große Glocke gehängt, bin aber offen damit umgegangen. Ich war auch immer die Alte geblieben und habe vor allem den Kontakt zur Familie immer gehalten. Auch Freundschaften hielten alle. Entweder habe ich also immer die richtigen Leute um mich gehabt oder es lag daran, wie ich selbst damit umging. Jedenfalls darf ich mich glücklich schätzen, nie eine schlechte Erfahrung mit meinem privaten Umfeld gehabt zu haben.

      ZB: Was macht deiner Meinung nach, eine gute Darstellerin aus? Immerhin hast du dich ja nicht nur vor der Kamera geräkelt, sondern du warst auch als Produzentin und Regisseurin(!) hinter der Kamera tätig. Nach welchen Kriterien wird “gecastet”? Oder wenn eine Frau, oder auch ein Mann auf dich zugeht und dich um Rat zum Thema DarstellerIn fragt, welche Tipps würdest du ihnen geben?
      RP: Als Produzent muss ich einfach das Gefühl haben, dass sie es zu 100% will. Sie muss nicht nur eine erotische Ausstrahlung haben, sondern auch professionell arbeiten. Selbstbewusstsein ist zwar wichtig, aber nichts nervt mehr als eine Zicke am Set. Neben einem gutem Körpergefühl zählt auch das Einfühlungsvermögen für den Partner. Mein Tipp: Pornos schauen und die Frage erledigt sich von selbst, was gefordert wird.

      ZB: Du warst ja von Beginn deiner Karriere an im weltweiten Netz vertreten, hast dich selbstständig übers Internet vermarktet, was für die damalige Zeit noch eher neues Terrain war.. Wie beurteilst du als erfahrene Webmistress die Verbindung zwischen Erotik und Internet ein? Und wie hat sich die die Branche deiner Meinung nach durch den Einfluss des WWW verändert?
      RP: Die Erotikbranche hat durch das Internet durchaus profitiert. Schließlich ist es für den Kunden die beste, weil auch diskreteste Bezugsquelle. Man muß als Produzent nur rechtzeitig auf den Zug aufspringen und die schnelle, technische Entwicklung im Netz mitmachen. Wer sich hier sträubt und nur über schlechte Verkaufszahlen am DVD-Segment jammert, ist selbst schuld. Auch wenn viele Kunden Filme auf DVD oder Blu-ray gerade aufgrund von Qualität und den Bonus Features sehr schätzen.

      ZB: Seit zirka 10 Jahren betreust du mit der Seite myareaxxx.com ein Forum, in dem man dir Fragen jeglicher Art stellen kann und du persönlich, völlig ungeschminkt, Rede und Antwort stehst. Ich selbst durfte der ein oder anderen Diskussion beiwohnen. Wie kommt man auf diese Idee?
      myareaxxx.com/
      myareaxxx.com
      RP: Nun, damals gab es noch keine sozialen Netzwerke, aber Foren waren schon immer ein gutes Kommunikationsmittel und sind es heute noch. Dem einen reicht ein Gästebuch, ich wollte eben ein Forum. Wie ich darauf kam? Keine Ahnung, es bot sich wohl einfach an.

      ZB: Usertreff, “G**gb**g_Party”, Escort... Deutschland wird zur Zeit von einer Welle junger Amateurdarstellerinnen, oder, wie ich sie nenne, “Die Neue Deutsche Welle” erfasst. Beispielsweise Xania Wet, Meli Deluxe, Leonie Lingua (eine Landsfrau von dir),... Diese Damen vermarkten sich fast ausschließlich übers Internet, drehen kurze Clips mit Usern, oder laden eben zu G**gb**g-Parties,... alles gegen Bezahlung versteht sich. Und nur wenige, wie z.B. Mia Magma, Vivian Schmitt(!), betreiben den Beruf, wie es zu deiner Zeit noch üblich war. Sofern man diese neue Schiene überhaupt noch mit früher vergleichen kann. Du bist zwar nicht das Orakel von Delphi, aber wie schätzt du die Zukunft des Porno ein?
      RP: Das liegt vor allem daran, dass sich in Deutschland die Produzentin nicht mehr die Mühe machen, Stars aufzubauen. Die Zeit der großen Filme ist vorbei, es wird alles nur mehr aufgewärmt und weichgekocht. Die Mädels müssen sich daher neue Wege suchen. Das Internet hat Ihnen die Möglichkeit gegeben, sich selbst zu organisieren. Das betrifft aber in erster Linie deutsche Gefilde. In den USA, Frankreich, Großbritannien & Co setzt man mittlerweile auf stilvolle, erotische Setups, die technisch top umgesetzt sind. Ich bin jedes Mal selbst überrascht, wie sich die Branche entwickelt, eine Prognose abzugeben ist daher nicht wirklich
      einfach. Ich kann mir nur wünschen, dass es weiterhin eine große Vielfalt gibt, sich jeder auf seine Art verwirklichen kann und für jeden etwas dabei ist.

      ZB: Zu guter letzt würde mich interessieren, was dir spontan zu den folgenden drei Wörtern einfällt: Liebe - Glück - Renee Pornero
      RP: Liebe ist, wenn Dir jemand wichtiger ist als Du selbst.
      Glück findet man in so vielen kleinen Dingen, meistens sind sie aber für die Menschen unsichtbar.
      Äh, was fällt mir zu Renee Pornero ein. Boah, wohl die schwierigste frage. Ich habe Renee Pornero gelebt und geliebt und werde sie nie vergessen

      ZB: Renee, ich möchte dir recht herzlich für deine Zeit und deine Offenheit danken und wünsche dir, im Namen aller hier, alles erdenklich Gute und ein Leben, wie du es dir vorstellst.
      RP: Vielen lieben Dank auch. Viele Bussis an Euch alle!
      Wünsch euch was
      Max

      I hob ka Freindin, i hob ka Frau;
      i hob bei d'Weiber den Dauerhau.
      Auf mi steht kane, jo Kruzifix,
      wos soll i mochn, i wix, sunst nix![...]
      (Georg Danzer, 1946 - 2007, Musiker; Der legendäre Wixerblues vom 7.10.1976)
    • RE: Interview für Facebook

      Original von hubsi81
      ZB steht für Zwerg Bumsti, mein Facebook-Pseudonym (Anm. der Redaktion) ;)


      :D:D:D

      Der Name wäre durchaus tauglich als Darstellername. Innovativer als
      "Peter Süd" allemal. Ergebnis der Eignungsprüfung des Namens für Facebook: "passt schon!"

      @Hubsi (alias Zwerg B.): gutes Interview.




      Original von hubsi81
      RP: Für mich war es nie ein Thema, meinen Körper für die Karriere zu "optimieren". Es reichen falsche Wimpern, falsche Nägel, ...


      von "optimieren" haben wir hier, einschließlich des Interviewers, ja auch immer abgeraten. Aber "falsche Wimpern, falsche Nägel", ganz seriös klingt das auch nicht... Wer weiß, was noch falsch war.



      Dem einen reicht ein Gästebuch, ich wollte eben ein Forum.


      ...das dann aber manchmal als Gästebuch missbraucht wurde. Manchmal auch als Shoutbox.


      @Frage in die Runde?
      Weiß jemand vielleicht, was aus der "Frau Kaiser" geworden ist? Zuletzt hat se nochmal im Juli hier reingeschaut.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von pfan ()

    • RE: Interview für Facebook

      Vielen Dank für die Blumen, pfan. Ja, ich finde es eigentlich auch recht gelungen.
      Aber eigentlich geht das Lob und der Dank in erster Linie an Renee, die sich immer und immer wieder die Zeit genommen hat, Frage für Frage ausführlich und wohl überlegt, zu beantworten. :rose: :rose: :rose:
      Und das nachdem sie sich schon lange zurückgezogen hat und unzählige Intwerviews über sich ergehen hat lassen.

      Merci beaucoup, nochmal an dieser Stelle, Renee.

      Zu Frau Kaiser weiß ich leider auch nix. Schade eigentlich... :dunno:
      Wünsch euch was
      Max

      I hob ka Freindin, i hob ka Frau;
      i hob bei d'Weiber den Dauerhau.
      Auf mi steht kane, jo Kruzifix,
      wos soll i mochn, i wix, sunst nix![...]
      (Georg Danzer, 1946 - 2007, Musiker; Der legendäre Wixerblues vom 7.10.1976)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von hubsi81 ()

    • RE: Interview für Facebook

      Thx 4 posting! :thumbsup:


      Original von hubsi81
      ZB: Seit zirka 10 Jahren betreust du mit der Seite myareaxxx.com ein Forum, in dem man dir Fragen jeglicher Art stellen kann und du persönlich, völlig ungeschminkt, Rede und Antwort stehst. Ich selbst durfte der ein oder anderen Diskussion beiwohnen. Wie kommt man auf diese Idee?
      myareaxxx.com/
      myareaxxx.com
      RP: Nun, damals gab es noch keine sozialen Netzwerke, aber Foren waren schon immer ein gutes Kommunikationsmittel und sind es heute noch. Dem einen reicht ein Gästebuch, ich wollte eben ein Forum. Wie ich darauf kam? Keine Ahnung, es bot sich wohl einfach an.



      Jetzt hat's mich konkret interessiert: MissP (mit UserId = 1) hat sich hier im Forum am 22.12.2002 angemeldet. Wohooo, was für eine Zeitspanne und das im schnelllebigen www! *respect* :bang:


      so long,
      Max
      - Alles ist wie immer, nur schlimmer (Bernd, das Brot) -

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      - Das ganze Leben ist beta (Renee Pornero, September 8th) -